Kapitel-Auszüge aus meinem Buch

'BEAUTY SECRETS'

 
Entfaltung aus der Nadel


Kennen Sie den Film mit Goldy Hawn, in dem sie auf einer Liege hingebungsvoll mit leicht geöffneten Lippen nach „mehr, noch mehr“, lechzt? Der Zuschauer erwartet einen wunderschönen Jüngling, und freut sich auf die kommende Liebesszene. Aber die Liege steht in keinem romantischen Schlafzimmer, sondern in einer Arztpraxis, und was sie wirklich berührt, ist kein attraktiver Liebhaber, sondern eine große Eigenfettspritze, mit der ihr ein Schönheitschirurg die Lippen behandelt.


Für gewöhnlich wollen meine Patienten, die mich zum ersten Mal wegen Unterspritzungen aufsuchen, nicht „mehr“, sondern eher weniger. Und oft werde ich zu Beginn gefragt, ob es stimmt, dass man mit der Unterspritzung von Falten nicht mehr aufhören kann, wenn man einmal damit begonnen hat. Es stimmt dann, wenn man das Wort „kann“ durch „möchte“ ersetzt. Denn wer einmal gesehen hat, wie rasch sich eine Falte durch Unterspritzungen glättet, möchte nie wieder sein faltiges Gesicht im Spiegel betrachten. Unterspritzungssubstanzen sind die wichtigsten Grundbausteine der Ästhetischen Medizin. Für mich ist es immer wieder faszinierend zu sehen, wie innerhalb von Minuten ein schmales verhärmtes Gesicht durch ein paar „gewusst wo“ Einstiche einen weichen fröhliche Ausdruck bekommt.

 

Ich bin selber glücklich, wenn ich dank meiner fast 30jährigen Erfahrung auf dem Gebiet der Unterspritzung wie ein Künstler ein müdes Gesicht zu einem frischen umwandeln kann. Alle Falten und Einsenkungen der Haut, harte Krähenfüße um die Augen, alte Aknenarben, Körpernarben, hängende Mundwinkel, schmale Lippen, eingesunkene Wangen, oder ein zu wenig ausgeprägtes Kinn - um nur einige Anwendungsgebiete zu nennen - lassen sich mit Füllsubstanzen innerhalb kürzester Zeit korrigieren.


Die Idee an sich ist uralt. So wurden im vorigen Jhdt. verschiedenste Stoffe, wie zerriebenes Porzellan, Kork, ja sogar Elfenbein verwendet, um Defekte aufzufüllen. Vergleichsweise dazu bin ich sehr froh im 3. Jahrtausend zu leben, einer Zeit, in der die Schönheitsindustrie boomt, und in jedem Monat bessere und nebenwirkungsfreiere Produkte auf den Markt kommen. Trotzdem, oder gerade deshalb, ist es wichtig, einen professionellen Überblick zu behalten und das Unsinnige und vor allem Gefährliche abzulehnen.

Das Chemische Peeling

Kennen Sie das Sprichwort „Schönheit muss leiden“? Im Fall des Chemischen Peelings ist es goldrichtig. Ohne ein bisschen Prickeln und Brennen kommen Sie nicht davon, denn ein starkes Chemical Peeling ist ein Vorgang, bei dem der Arzt eine aggressive Substanz auf die Haut des Patienten aufträgt, die sich kurz darauf zu schälen beginnt. Zusätzlich kommt es zu einer Vermehrung der unteren Kollagenschichte, so dass nach 7-14 Tagen eine neue, glatte und prallere Haut entstanden ist. Aber nicht nur bei Falten werden die starken CHP eingesetzt, sondern auch bei Narben, Pigmentstörungen, warzigen Veränderungen, Vorkrebsstadien und anderen unerwünschten oberflächlichen Veränderungen der Haut.
Ein starkes ChP ist keine junge Modeerscheinung ohne Erfahrungswerte, sondern eine gut bekannte Therapie zur Hautglättung. So ist zum Beispiel das bekannte „Blue-Peel“ nichts anderes als die alt-bewährte Trichloressigsäure-Therapie mit blauer Lebensmittelfarbe. Die ersten veröffentlichten Arbeiten über Trichloressigsäure, Salizylsäure, Resorcin und Phenol als starke Peeling Substanzen, stammen bereits aus dem Jahr 1882!!!! von einem deutschen Dermatologen namens Unna. Phenol wurde weiters während des ersten Weltkrieges als Behandlung von Schießpulververletzungen eingesetzt. Durch Zufall entdeckte ein französischer Arzt, dass die Wunde, bei Verwendung von festen Klebeverbänden über dem Phenol, zu besonders schönen ästhetischen Ergebnissen mit glatter Haut führte. Seine Tochter Antoinette wanderte nach den USA aus, und gründete 1930 ein großes Peeling Center nahe Los Angeles, wo sie Narben und Falten mit Säuren behandelte. Seither gibt es auf der ganzen Welt fast in jedem Jahrzehnt berühmte Peeling-Experten, die ihre Erfolge zwar veröffentlichten, ihre geheimen Mixturen aber nie wirklich preisgaben.

Auch der mir noch persönlich bekannte, verstorbene großartige Arzt Dr. Yoram Fintsi hat das Geheimnis seines Phenolpeelings wahrscheinlich mit ins Grab genommen. Noch lange nach seinem Tod diskutieren Mitarbeiter und Familienangehörige über die „richtige Formula“. In der Zwischenzeit ist seine Nachfolgerin in Israel so berühmt und geschätzt, wie Ihr einstmaliger Lehrer. Dr. Fintsi war nicht nur ein begnadeter Peeling-Experte, er war auch ein Improvisationstalent. Die erste Peeling-Vorführung bei der ich zusah, verlegte er kurzfristig aus Platzmangel wegen der vielen Zuschauer aus dem Seminarraum in den größeren Saunabereich des Hotels. Innerhalb kurzer Zeit hatten alle Ärzte ihre Sakkos, manche auch ihr Hemd abgelegt, es störte niemanden. Alle waren fasziniert von Fintsis Peeltechnik. Auch das Abnehmen des klebenden Gesichtsverbandes am nächsten Tag fand nicht, wie üblich, in einem OP bei Kurznarkose statt. Er setzte den Patienten lediglich auf einen Stuhl und gab ihm einen Plastiksack in beide Hände. Mit einem kurzen Ruck zog Dr. Fintsi den Gesichtsverband herunter, der dann in den Plastiksack fiel.

Tante Jolesch's Erben

„Alles was a Mann schöner is als a Aff, is a Luxus!“ Wer kennt nicht Tante Jolesch’s berühmten Ausspruch! Aber die gute Tante würde Augen machen, wenn sie sehen könnte, wie sich Zeiten und Männer geändert haben. Nehmen wir die Engländer als Beispiel. Nach einer wissenschaftlichen Studie der Nottingham-Trent-Universität harzen immer mehr britische Männer ihre Brust-, Bein-, und Rückenhaare mit Wachs, um mit nackter Haut besser zu gefallen. Der durchschnittliche Brite verbringt 55 Minuten im Badezimmer, schneidet Nasen- und Ohrenhaare kürzer, zupft seine Brauen, manikürt seine Nägel und reibt sich mit Cremes und Selbstbräuner ein. Der Fußballstar David Beckham, bekannt als modischer Trendsetter, löste sogar eine Nagellackwelle bei Männern in brauner und pinker Farbe aus. Aber glauben Sie nicht, dass der männliche Trend zur jugendlichen Schönheit ein typisches Merkmal unserer heutigen Zeit ist! Eines der ersten überlieferten Schönheitsrezepte stammt von einem Mann aus dem 5. Jahrhundert v. Christus, von einem griechischen Schriftsteller namens Herodot. Er stellte für die ägyptische Gottkönigin Atsositou ein Rezept für eine Gesichtsmaske aus geschälten Marillenkernen, Datteln und Kokosmilch zusammen. Herodot und seine männlichen griechischen Landsleute ließen sich zu dieser Zeit bereits maniküren, pediküren und die Locken vom Barbier drehen. Sie machten Körperübungen, um mit der Entwicklung des Körpers auch den Geist zu fördern und weil sie die äußere Pflege als ein Zeichen der Überlegenheit gegenüber Tieren ansahen.

Machen wir einen Sprung nach Österreich in die 70ger Jahre, in denen nicht nur die Fitnesswelle und das männliche Streben nach 6-packs zu boomen begann, sondern auch die Kosmetika für Männer in den Regalen der Drogerien und Parfümerien auftauchten. Die Männer entdeckten die Cremes (wieder!). Sozialgeschichtlich war dies zu erwarten. Frauen dürfen seit ca. 1900 die Matura machen, Hosenanzüge tragen und durch die bessere Ausbildung ihr eigenes Geld verdienen. Damit betreuen sie nicht nur Haushalt und Kinder, sondern führen durch ihren unabhängigen Status auch ein  eigenes  Leben.  Die  alten Qualitäten, die Männer früher auszeichneten, wie Einkommen und Prestige, sind den Frauen heute zu wenig. Sie brauchen sich nicht mehr an ungepflegte Männer zu binden um finanziell beschützt zu sein und ziehen in der Partnerwahl selbstverständlich die attraktiveren, gepflegteren vor. Kein Wunder also, dass laut dem Wiener Otto Penz, Professor für Soziologie an der Universität in Calgary, die „Feminisierung“ des Mannes einsetzte. Der Mann ist gezwungen andere Qualitäten in eine Beziehung einzubringen, Ästhetik und Schönheit gewinnen ebenso beim männlichen Geschlecht an Wichtigkeit.

Auch die, im 19. Jahrhundert bevorzugte, wohlbeleibte Figur wird vom athletischen Körper abgelöst. Heute hätte der sympathische Heinz Rühmann oder Fred Astaire in einer Liebhaberrolle keine Chance mehr gegen den knackigen Oberkörper von Brad Pitt, die athletische Figur von George Clooney, oder das jugendliche Zahnpasta- Lahen vom kleinen, aber gutgebauten Tom Cruise.