Der Krampf mit den KrampfadernIch werde nie den Anblick eines 18- jährigen Mädchens vergessen,
die eines Tages in die Venen-Ambulanz der Rudolfstiftung kam, und mir
dort weinend ihre Beine zeigte. Sie waren wunderschön, lang, wohlgeformt
und komplett zerschnitten. Da ihre ganze Familie bis zur Großmutter
hin unter Krampfadern litt, wollte sie das Übel ein für
alle mal ausradieren lassen. Sie fand jemanden, der ihr mit unzähligen
Riesenschnitten alles Sichtbare und nicht Sichtbare operativ entfernt
hatte. Leider wurde sie nicht über die Grundregeln des Krampfaderleidens
aufgeklärt: Auch wenn sie sich zig mal operiert lassen würde,
bei einer vorgegebener Anlage können immer wieder Krampfader entstehen.
Deshalb sind schonende Behandlungsmethoden und regelmäßige
Vorsorgeuntersuchungen beim Venenarzt die vernünftigste Art, mit
seinem Venenleiden unproblematisch umzugehen. Die Krampfader oder Varize, krampft übrigens nicht.
Höchstens der Träger während der Behandlungsmethoden
von Krampfadern im Mittelalter, denn nicht immer gab es unsere heutigen
modernen Therapien. Das Leiden selber ist uralt, Thrombosen, Krampfadern
und offene Beine gehörten schon immer zu den am meisten verbreiteten
Krankheiten. Paracelsus war der erste Arzt, der erkannte, dass es außer der Amputation des Beines auch eine andere Behandlungsmethode gegen Krampfadern und offene Beine gab, den Kompressions- oder Druckverband. Philippus Theophrastus Paracelsus wurde 1493 geboren, und war ein medizinischer Rebell. Er wandte sich als Arzt und Naturforscher schärfstens gegen viele bis dato durchgeführte Operationsmethoden und medizinische Grundregeln. Er kämpfte, außer mit Hippokrates, mit allen medizinischen Autoritäten, und hielt als Wanderarzt seine Vorlesungen in ganz Europa. Es spricht für diesen großen Mann, dass sich der Kompressionsverband als Standarttherapie bis heute durchgesetzt hat. Haben Sie, lieber Leser, Besenreiser, Netzvenen oder starke Varizen, und jemand verspricht Ihnen eine Venenoperation oder Verödung ohne anschließenden Kompressionsverband, werden Sie mit dem Ergebnis höchstwahrscheinlich nicht zufrieden sein. Außerdem haben sich die verwendeten Materialien seit Paracelsus drastisch geändert. Während man früher die hässlich dick gummibestrumpften Beine verschämt versteckt hielt, gibt es heute feste, aber dünne Kompressionsstrümpfe in vielen modischen Farben, für die Damen sogar mit verführerischen Spitzenbesatz, die sogar im heißen Sommer bequem zu tragen sind. Schuld an den Krampfadern ist eine familiär bedingte Bindegewebsschwäche,
mit fehlenden oder minderwertigen Venenklappen. Diese sollten eigentlich
das sauerstoffarme, in Richtung Herz gepumpte Blut, vor dem durch die
Erdanziehungskraft bedingtem Zurückfließen, schützen.
Funktionsausfälle der Venenklappen können in den oberflächlichen
Venen ästhetisch störende Krampfadern, bläulich durch
die Haut schimmernde Netzvenen oder zarte Besenreiservarizen hervorrufen,
in den tiefen Venen sogar dauerhafte schwere Venenleiden und offene
Beine. Wie beseitigt man nun dieses lästige Übel, das durch unsere Bewegungsarmut, falsche Lebens und Ernährungsweise noch verstärkt wird? Die Operation und die Verödung bilden die zwei tragenden Säulen der Behandlung. Bei der sogenannten Stripping - Operation versucht man alle funktionslosen Varizen zu entfernen, indem die großen Stammvenen und Nebenäste auf eine Sonde gefädelt und herausgezogen werden. Die Einmündungsstellen in die tieferen Venen und Nebenäste werden vorher über einen Hautschnitt sorgfältig unterbunden (= Cross-Ektomie). Dazu gibt es viele Varianten, bei denen z.B. nur die Venenverbindungen durchtrennt, die Krampfadern aber nicht gezogen werden (=C.H.I.V.A Methode), oder nur kleinere Venenäste ohne der großen Stammvenen entfernt werden (=Phlebektomie). Zur Freude aller Krankenhausmuffel soll gesagt sein, dass auf Wunsch mittels der moderne Tumeszenztechnik auch während einer großen Venenoperation keine Vollnarkose mehr nötig ist und der Patient einen Tag nach dem Eingriff nach Hause gehen kann. Die zweite Säule, die Verödung oder auch Sklerosierung genannt, beruht darauf, dass die Krampfader mit einem Verödungsmittel verklebt, und dadurch ausgeschaltet wird, ohne operativ entfernt werden zu müssen. Diese Methode erfordert viel Erfahrung und wird ambulant oder in der Ordination durchgeführt. Schmerzmittel sind nicht notwendig, der Patient spürt höchstens ein zartes Brennen. Vom Laser wird heute leider noch zu viel erhofft. Aber als ergänzende Therapie zur Verödung, besonders bei sehr zarten Besenreiservarizen ist er nicht mehr wegzudenken. Mit dem Wiederauftreten der Veränderungen müssen Sie aber früher oder später immer rechnen. Verabschiedet sich daher Ihr Venenspezialist von Ihnen mit bis bald, so sollten Sie ihm dies nicht übel nehmen. Er hat in der Regel dennoch sein Bestes für Sie getan. © Dr. Doris Grablowitz |
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