Eigenfett -
abgesaugt und reingespritzt
Wenn ich vor jeder Einspritzungen, die mit der Bemerkung des Patienten
beginnt: Aber bitte nicht so, wie bei der
einen Schilling bekommen hätte, könnte ich mir heute mindest
ein süßes Kleinauto kaufen. Der Satz endet fast immer mit
den gleichen prominenten Abschreckbeispielen, die durch Riesenlippen
Furore gemacht haben, wie z.B die Griffith, oder die Begum. Ein einziges
Mal überlegte eine Patientin weiter: Aber den Agakan hats
kriegt und hielt mir wieder hoffnungsvoll ihre Lippen zum Aufspritzen
hin.
Im Gegensatz zu dieser vorsichtigen Einstellung habe ich vor kurzen
in einer Kärntner Tageszeitung gelesen, dass laut amerikanischem
Vorbild Lifting out wäre, anstatt dessen nur mehr Eigenfett
Unterspritzung in.
Das ist natürlich nicht richtig. Beide Verfahren konkurrieren
nicht, sondern ergänzen sich gegenseitig. Stellen Sie sich einen
Pullover vor, der Ihnen viel zu groß ist. Um hinein zu passen,
gibt es 2 Möglichkeiten: Entweder sie nähen ihn enger, schneiden
den Überschuss weg, oder Sie essen solange, bis der Pullover wieder
passt. Aber wer will schon zu dick sein? 
So ist es auch bei der Haut. Ohne zu operieren müsste man bei
Fällen mit sehr viel hängender Haut, das Gesicht wie eine
Kugel aufblasen, um alles wieder prall zu straffen.
Früher hat man wohl den Fehler gemacht, erst sehr spät, sehr
starke Faceliftings durchzuführen, und das mit den Jahren immer
weniger gewordenen Stützgewebe nicht zu ersetzten. Dadurch lag
die neue straffe Haut einer schmäler gewordenen, knochigeren Kontur
an, so dass das Gesicht trotz Lifting nicht frisch, sondern eingefallen
aussah.
Heute weiß man, dass sich Eigenfett perfekt dazu eignet, harte
Züge weicher zu gestalten, fehlenden weiche Konturen zu ersetzten,
und starke Falten wieder zu glätten. So kann man mit Eigenfett
nach Faceliftings in einer zweiten Sitzung das fehlende Stützgewebe
ersetzten, aber auch ohne vorhergehenden operativen Eingriff Gesichtsfalten
unterspritzen, Jochbögen heben, schmale Lippen, kleine Brüste
und männliche Genitale vergrößern, sowie eingefallene
Handrücken, Ohrläppchen, oder auch Schamlippen und den Venushügel
wieder auffüllen.
Ein weiterer großer Vorteil des Eigenfetts als Unterspritzungsmaterial
liegt darin, dass es fast jeder selber besitzt, gut verträgt, und
wenn es richtig ! gewonnen und aufbereitet wird, ein paar Jahre hält.
Warum verwenden wir dann überhaupt noch andere Substanzen, wie
Kollagene, Hyalurone, und Hydrogele? Diese haben wieder den großen
Vorteil, dass sie fertig vorliegen, der Eingriff nur ein paar Minuten
dauert, oft kaum sichtbar ist, und der Patient sofort wieder auf die
Strasse gehen kann, ohne besonders aufzufallen.
Das wäre mit Eigenfett nicht möglich, Schwellungen und blaue
Flecke sind vorprogrammiert. In der ersten Sitzung, die ca. 1 Stunde
dauert wird bei örtlicher Betäubung das Fett mit bereits sehr
dünnen Nadeln aus den so genannten diätunabhängigen Regionen
(= Problemzonen), wie Oberbauch, Hüfte, Gesäß, Innenseite
der Knie gewonnen. Danach wird es gereinigt, aufbereitet und schließlich
wieder unter Leitungsanästhesie oder Tumeszenztschnik (Nassmethode)
in die besprochenen Problemzonen eingespritzt. Überschüssiges
Material kann bis zu 2 Jahren in eingefrorenem Zustand gelagert, bei
Bedarf aufgetaut und wieder verwendet werden.
Ein besonders aufwendiger Eingriff ist die so genannte Lipolage.
Das ganze Gesicht, einschließlich der Halsregien wird neu modelliert,
indem zuerst überschüssige Fettpölsterchen, z.B. aus
den Hängebacken oder dem Doppelkinn abgesaugt werden. Anschließend
spritzt man Eigenfett nicht nur in Falten ein, sondern an unzähligen
Stellen im gesamten Gesichtsbereich, überall dorthin, wo eigenes
Gewebe mit den Jahren zurückgegangen ist. Der dadurch straffende
Effekt der Lipolage lässt Sie gesünder, frischer und um einiges
jünger aussehen. Und wer möchte das nicht?
© Dr. Doris Grablowitz
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