Chemisches PeelingIn meiner amerikanischen Ausbildungszeit lernte ich bei einem sehr
bekannten Schönheitsguru in Miami, dessen Praxis heute noch für
europäische Maßstäbe eine Musterordination darstellt.
Am Eingang des Schönheitstempels stand eine Assistentin, die jeden
mit Honey anredete, und - ob man wollte oder nicht
jedem ein Gesichtspeel verpasste. Als sie mich anfangs auch erwischte,
wehrte ich mich natürlich als österreichischer Freigeist,
was aber völlig verständnislos aufgenommen wurde. Dieser Vorgang
war, wie ich schnell lernte, keine Vergewaltigung, sondern eine heilige
Handlung, die Grundlage jeder glatten, straffen Haut, der Eintritt in
eine andere Welt, und hieß Hollywood-Peel. Die Amerikaner
waren verrückt danach. Der Erfolg lag auch an der Anzahl, je öfters
desto besser, so dass manche Patienten absichtlich zu häufigen
Terminwechsel in die Ordination kamen, nur um die Hollywood-Schleuße
öfters zu passieren. Und die Haut der langjährigen Guru-Anhänger
sah wirklich prächtig aus. Das Wissen um die geheimnisvollen Peels ist eigentlich uralt. Wussten Sie, dass bereits die alten Ägypter die Haut mit Tieröl, Salz und Alabaster schälten? Kleopatra badete bekannter weise in saurer Milch und nützte damit den Peeling - Effekt der Milchsäure. Während die Türken, ein wilderes Volk, Feuer verwendeten, um die Haut glatt zu brennen, mischten die Indianerfrauen Harn in ihre Pasten, um das Aussehen zu verschönern. Besonders geschickte Peeler waren die ungarischen Zigeuner, die ihre geheimen Rezepte in den Klans weiter vererbten. Unlängst erzählte mir eine Patientin, dass die Frauen ihrer Familie, bekannt für besonders glatte und feine Haut, seit Generationen Morgenharn in ihre Gesichter massierten. Sie war die erste Traditionsbrecherin und wollte bei mir von Harnsäure auf Fruchtsäure umstellen. Was versteht man nun unter einem chemischen Peeling, auch genannt chemische Schälung der Haut? Im medizinischen Bereich ist es ein Abschälen der alten Hautoberfläche mit zusätzlicher Einlagerung von Kollagen in den unteren Schichten. Dadurch wirkt die Haut an der Oberfläche glatter, und durch den aufdickenden Kollageneffekt auch praller. Man kann mit ChP nicht nur Falten glätten, sondern auch Akne behandeln, Sonnenflecke, Warzen, Narben und viele andere unerwünschte Veränderungen an der Hautoberfläche zum Verschwinden bringen. Je tiefer und stärker das ChP, desto besser ist der Erfolg, aber desto stärker auch die schälende Reaktion. Da das heutige Thema aber die schwächeren Peels sind, brauchen wir uns um die Nebenwirkungen kaum Gedanken zu machen. Die zarten ChP werden sogar LUNCHPEELS genannt, da man vor, nach, oder anstatt Lunch sich beim chemical Peeler verschönern lassen kann, ohne dass es die böseste Freundin bemerkt. Auch das Hollywoodpeel aus dem amerikanischen Schönheitstempel ist eine Variante des Lunchpeels, besonders beliebt bei Schauspielern, die keine Zeit für Nebenwirkungen, aber immer schöne und straffe Haut haben möchten. Der Arbeitsbereich eines auf Ch P spezialisierten Arztes sieht fast wie eine Hexenküche aus, nur dass statt Spinnenbein und Krötensud verschiedenste Säuren, wie Salicyl-, Trichloressig-,Glycolsäure etc., mit unterschiedlichen Konzentrationen zu einer Flüssigkeit, Gel oder Paste zusammengemixt werden. So bekommt jeder Patient, genau auf sein Problem abgestimmt, seine persönliche Mischung auf die Haut aufgetragen. Nach dem Peel kann er sofort wieder seinen gewünschten Tätigkeiten nachgehen, ohne Angst vor unangenehmen oder sichtbaren Reaktionen zu haben. Diese lernen wir erst im nächsten Teil, bei den starken Ch P kennen. © Dr. Doris Grablowitz |
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