BOtolinum TOXin = BOTOXDie Geschichte von Botulinum Toxin beginnt wie ein Kriminalfall im Jahre 1895, als 34 Mitglieder eines Musikklubs in Belgien rohen, gesalzenen Schinken aßen. Die Folge waren Übelkeit, Erbrechen, Lähmungserscheinungen, es gab sogar 3 Tote. Prof. E.van Ermengen, ein Wissenschaftler dieser Zeit, konnte das Rätsel lösen und die Ursache finden ; ein Bakterium namens Clostridium botulinum, und sein Gift, das BOTULINUM TOXIN. Nicht auszudenken, dass über hundert Jahre später mit diesem Gift auf Gesellschaftspartys Falten, die vor allem durch Gesichtsmimik entstanden sind, weggespritzt werden sollten. Bis dahin war es aber noch ein weiter Weg. Da dieses Gift vor allem die Muskeln lähmte, wurden viele Versuche gemacht, aus dem schädlichen Toxin eine heilende Medizin zu schaffen, die gegen alle Krankheiten mit Muskelkrämpfen eingesetzt werden konnte. 1920 führte ein Kalifornier, Dr. Hermann Sommer, ein schlammähnliche
Mischung vor, die aber viel zu unrein war, um sie am Menschen einzusetzen.
Erst 1946 entwickelte Dr. Eduard Schantz eine verbesserte Form, brauchte
aber noch weitere 33 Jahre !!!!, bis er das Heilmittel für den
Menschen, das keine Nebenwirkung mehr aufwies, erschaffte. Er bezeichnete
sein Werk als Botulinum Toxin, das nicht giftige Gift. Machen wir einen weiteren Zeitsprung nach Kanada, in das Jahr 1982, zu dem kanadischen Ärzte-Ehepaar Dr. Carruther, die das Heilmittel BT gegen Schielen im Augenbereich einsetzten. Dabei fiel beiden auf, dass die Patienten nach dem Unterspritzen als Nebeneffekt eine komplett glatte Haut im Augenbereich bekamen. Dieser Nebeneffekt, die faltenlose Haut, wurde in kürzester Zeit der begehrteste Grund ihrer BT-Spritzen, sodass die beiden 1988 bereits Studien über 10.000 faltenlose Menschen vorlegen konnten. Dass laut dieser Studie bei keinem der Patienten allgemeine Nebenerscheinungen aufgetreten sind, war für mich die wichtigste Aussage, als ich mit meiner amerikanischen Arbeitsgruppe in den USA 1991 Botox (amerikanischer Handelsname für das Heilmittel) spritzen lernte. Während meine amerikanischen Kollegen das Antifaltenmittel sofort mit großem Erfolg an ihren Patienten einsetzten, führte ich Botox vorerst mit großer Vorsicht in meinem Heimatland ein. Wie würden die konservativen Österreicher auf ein Gift gegen Falten reagieren? Ich hatte meine Patienten unterschätzt, sie waren begeistert. Heute gehört BT bereits zu den Standartbehandlungen einer ästhetisch ausgerichteten Ordination. Mit der Zeit nahm der BT Trend, wie oft bei jeder neuen Entwicklung, auch übertriebene Formen an. In London fanden Botox-Partys statt, wo zwischen Champagner und Knabbergebäck in die Stirne gestochen wurde (Artikel BUNTE), als Gegenreaktion verglich die PRESSE das med. Präparat mit dem biologischen Kampfgift im Kriegseinsatz. Beides ist nicht korrekt. BT ist eine Substanz, die nur unter sterilen medizinischen Vorraussetzungen gespritzt werden darf, was bei kleckernden Kaviarbutterbrötchen nicht der Fall ist. Und das Kampfgift im Kriegseinsatz hat überhaupt nichts zu tun mit dem Heilmittel in der Medizin. Dies zur interessanten Geschichte des Präparates. Aber wo wird es heute in der modernen Medizin eingesetzt? Um Ihnen auch ein paar Beispiele für allgemeinmedizinische Behandlungen zu geben, sind 2 Bilder abgelichtet. Das eine eigentlich ein Gemälde von Pieter Bruegel, genannt der Gähner- könnte genauso einen Gesichtskrampf zeigen, gegen den BT erfolgreich eingesetzt werden kann. In der anderen Abbildung sehen Sie ein Schriftbild vor und nach der Behandlung eines Patienten mit Handkrämpfen. In der ästhetischen Medizin wird BT einerseits eingesetzt gegen übermäßig starkes Schwitzen in der Achselregion, an Hand und Fußflächen, andererseits gegen Falten, die besonders durch starke Mimik entstanden sind. In jedem Fall tritt die Wirkung nach BT Gabe erst nach ein paar Tagen ein, und hält ca. ein halbes Jahr lang an. Der Eingriff wird leider nicht von der Krankenkasse bezahlt, und kostet pro Areal ca. 300-400 €. Das bei meinen Patienten beliebteste Areal ist eindeutig die Zornesfalte. Viele Menschen vermitteln einen bösen Eindruck, nur weil sich mit der Zeit und starker Mimik eine tiefe Zornesfalte in die Stirne eingegraben hat. Auch andere Mimikfalten, wie Stirnfalten, Krähenfüße, Nasen-Kinnfalten, starke Mundfalten, oder Hängebäckchen und Halsfalten lassen sich mit BT zum Verschwinden bringen. Viele Patienten, die unter sehr starken Schwitzen leiden, kommen zur BT -Behandlung gerade jetzt im heißen Sommer, weil ihr Gewand unter der Achsel immer einen nassen, dunklen Rand zeigt, oder sie sich wegen ihres feuchtnassen Händedrucks genieren. Der BT-Eingriff ist mit mehreren winzigen Stichen fast schmerzlos, dauert nur kurz, und hat im schlimmsten Fall einen blauen Fleck durch den Nadeleinstich zur Folge. Um auch diesen zu vermeiden, bekommen die Patienten vor und nach der Behandlung kühlende Kompressen auf das betroffene Areal gelegt. Außerdem gibt es spezielle Regeln für die Zeit nach der Behandelung, an die sich der Patient halten soll, um jede mögliche Nebenwirkung zu vermeiden. Trotzdem darf der relativ einfache Eingriff nur vom ausgebildeten Spezialisten durchgeführt werden. Dieser weist lange Erfahrungen mit BT auf, kennt sich nicht nur mit dem Medikament selber, sondern auch mit den Muskeln, deren Ansätzen und Wirkungen aus. Schreckgeschichten über verzogene Mundwinkel und hängende Augenlider passieren nur dann, wenn man besonders billig vom Nichtfachmann behandelt wird. Billig kann, wie das Sprichwort sagt, dann teuer werden. Wenn im Falle von BT auch nur vorrübergehend. © Dr. Doris Grablowitz |
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